Nicht-anrufen.de: Die Seite für genervte Opfer der Telefonwerbung
Werbung am Telefon ist grundsätzlich verboten, wenn der Verbraucher dem Anruf nicht bereits im Vorfeld zugestimmt hat. Dies hindert die Call-Center dieser Nation leider nicht daran, jeden Tag doch wieder viele tausend Bürger anzurufen, um ihnen Handys, Lottoscheine oder Zeitungsabos zu “schenken” – Hintergedanken inklusive. Elmar Denkmann hat etwas gegen die nervige Kaltakquise und wehrt sich als lustiger Telefonschreck.
Hurra, Sie haben gewonnen! So melden sich fast täglich fremde Leute am Telefon ahnungsloser Mitbürger. Mal gewinnen die überraschten Personen drei Lottoscheine, mal ein nagelneues Jahresabo eines Fachmagazins, mal ein Handy mit einem Supersparvertrag. Auch ein Urlaub ist manchmal mit drin. Das Problem: Hinter dem vermeintlichen Geschenk steht meistens ein ganz dicker Pferdefuß. Wer auf die Anrufer eingeht, hat im Nu mehr Geld ausgegeben als gespart.
Die überraschende Gewinnbenachrichtigung über einen garantierten Sachgewinn von bis zu 3.000 Euro – sie ist oft schon nach den ersten Worten des Anwenders als Schmu und Schummel zu erkennen. Und nicht nur das. Werbeanrufe wie diese sind von Gesetz her unmissverständlich verboten. Sie dürfen nur dann erfolgen, wenn der Angerufene schon im Vorfeld dem Gespräch zugestimmt hat. Das kann sogar auch dann gelten, wenn der Verbraucher bereits in einer Geschäftsbeziehung zum Anrufer steht. Ruft eine Firma an, zu der noch nie zuvor ein wie auch immer gearteter Kontakt bestand, spricht der Profi von einem “Cold call” oder einer “Kaltakquise”.
Elmar Denkmann, Entwickler des bekannten eBay-Marktanalysetools BayWotch, lässt sich die nervtötenden Anrufe nicht mehr länger gefallen. Er schlägt zurück und verwandelt sich bei einem Werbeanruf sofort in einen professionell auftretenden Spaßvogel, der den sonst so ausgebufften und auf jede Situation vorbereiteten Call-Center-Agenten den kalten Angstschweiß auf die Stirn treibt. Elmar Denkmann: “Ich habe keine Lust mehr, täglich Opfer der Telefonwerbung zu sein. Ab sofort schlagen wir zurück und zeigen, dass Telefon-Werbung auch Spaß machen kann.”
Vergnügliche Gespräche – alle live mitgeschnitten
Was tun, wenn der Telefonwerber wieder einmal anruft? Auflegen wäre zu einfach. Veräppeln! Das ist jedenfalls die Lösung, die Elmar Denkmann bevorzugt. Mit größtem Geschick verwandelt der Entwickler seinen Apparat in ein schräges Spaßtelefon, das Gespräche nach Einwilligung des Anrufers aufzeichnen kann. Extra dafür wurde die Seite “Nicht-anrufen.de” ins Leben gerufen. Hier finden sich ab sofort alle genervten Telefonwerbungsopfer dieser Nation ein, um per Mausklick mit dabei zu sein, wenn einer der Ihren zurückschlägt und sich eben nicht mehr alles gefallen lässt.
Ein halbes Dutzend Spaßtelefonate stehen bereits im Web zum schnellen Abruf bereit. Besucher sprechen bereits von einem neuen Kult. Tatsache ist, dass es einen unglaublichen Spaß macht, sich die Aufnahmen anzuhören. Mal gibt Elmar Denkmann vor, nicht gut genug zu hören, sodass der Mann vom Call-Center sein minutenlanges Sprüchlein so oft neu aufsagen muss, bis er am Ende in den Hörer brüllt. Und welches Mittel hilft besser gegen den Herrn, der zwei Lottoscheine zu verschenken hat, als ein hemmungsloses Stottern, bei dem jede zu tippende Zahl Minuten benötigt, bevor sie endlich aufgesagt ist? Ein echter Brüller, wenn Elmar Denkmann am Ende dann auch noch stottert: “M-m-m-moment, ich w-w-w-wiederhol’s noch mal.”
Klarer Fall: Der Telefon-Mann von Nicht-anrufen.de stellt häufig die Geduld der freundlichen Herrschaften aus der Call-Center-Branche auf die Probe. Dabei reagiert er mit Stottern, Macken und ähnlichen Dingen. Damit möchte er sich keinesfalls über ernsthafte Behinderungen lustig machen, sondern nur alle Mittel ausschöpfen, um die Anrufer in den Wahnsinn zu treiben.
Einige Firmen zeigten nach der Offenbarung tatsächlich Humor und erlaubten es Denkmann, die Spaßtelefon-Mitschnitte unverändert ins Internet zu stellen. Bei anderen Unternehmen wurden alle Bemühungen um eine Veröffentlichungserlaubnis abgewehrt – wohl auch, um nicht selbst als Auftraggeber für eine Kalt-Akquise im Rampenlicht zu stehen. Diese Telefonate sind ebenfalls bei Nicht-anrufen.de zu hören, allerdings mit unkenntlich gemachten Firmenbezeichnungen.
Blogs und Neuigkeiten vom Anwalt
Nicht alle verrückten Gespräche mit den Anrufern aus dem Call-Center dürfen mitgeschnitten werden. Und so steuert Elmar Denkmann auch noch ein paar ganz persönliche Text-Blogs bei, die den Irrsinn aus der Telefon-Werbung noch anschaulicher machen.
Etwas ernsthafter geht es zur Sache, wenn Rechtsanwalt Rolf Becker von der Kanzlei Wienke & Becker aus Köln das Heft der Handlung übernimmt. Er hat nicht nur die Rechtsberatung für Nicht-anrufen.de übernommen, sondern kümmert sich auch um den Nachrichtenbereich der Site. Hier warnt er vor einem bösen Erwachen bei ungewollt am Telefon abgeschlossenen Verträgen, informiert über geplante schärfere Gesetze zum Schutz der Verbraucher, sammelt Warnungen vor dubioser Lotto-Werbung am Telefon und berichtet über Bemühungen der Verbraucherzentrale, Hinweise gegen Telefonwerbung zu sammeln und auszuwerten. (4700 Zeichen, zum kostenlosen Abdruck freigegeben)
Homepage: http://www.nicht-anrufen.de/
Informationen zum Anbieter
Elmar Denkmann Software Entwicklung und Vertrieb, Rothe Gasse 30, 52224 Stolberg
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